Eventuell eine falsche Freundschaft? (Eure Meinung)

  • Hallo Freunde des Forum,


    ich wende mich mit einem sehr heiklem Thema an euch. Wie der Titel es schon beschreibt, geht es um einen guten Freund (aus meiner Sicht) dessen Verhalten sich in den letzten Monaten stark verändert hat.


    Ein paar Infos: Mein Kollege und ich kenne uns schon seit über 10 Jahren, wir teilen unsere Bibliotheken (PS4/Steam und Co.), teilen uns Netflix, Amazon Prime uvm. (wir teilen uns auch die Kosten für die Dienste) Wir hatten immer ein sehr offenes und gutes Verhältnis. Mitte 2014 wurde er wegen einer ziemlich bescheuerten Sache inhaftiert. Das Urteil lautete 2 Jahre und 9 Monate. Grund für die Anklage? Körperverletzung mit Todesfolge. Bevor nun jemand hier aufschreit: Es ging bei der Verhandlung um die Mutter meines Kollegen. Er besaß nicht die nötigen Gelder um sie selbst pflegen zu können und gegen Untersuchungen und Besuche von Pflegern (Arbeiterwohlfahrt, Caritas und Co.) hat sich seine Mutter gewehrt, eine vollständige Pflege kam daher nicht zustande.


    Jedenfalls suchte ich ein halbes Jahr nach ihm. Keiner gab die Adresse raus und keiner wusste wo er war. Durch einen netten Beamten erfuhr ich nachher wohin ich einen Brief schicken könnte und tat dies auch. Als er dann alle paar Wochen übers Wochenende nach Hause durfte, haben wir uns auch getroffen und viel unternommen. Alles war wie immer und auch verändert hat er sich keineswegs.


    Als er 2016 entlassen wurde, half ich ihm bei der Suche einer Wohnung und regelte die Kaution für ihn, er bekam sie letztendlich und bezog sie daraufhin. Ich half ich bei allen weiteren Dingen (kenne viele Leute die bei Behörden arbeiten).


    Nachdem er letztes Jahr (2017) jedoch die Wohnung bezog, ab da wurde irgendwie alles anders. Anfangs machte man noch gelegentlich was miteinander, doch mittlerweile herrscht da vollständige Funkstille. Es kommt irgendwie nichts mehr. Es wird sich nur noch gemeldet, wenn Netflix, Amazon, Psn Passwörter und Co. Nicht mehr funktionieren. Ein „Alles fit bei dir?“ oder „Und sonst soweit alles gut?“ kommt da gar nicht mehr. Werden die neuen Passwörter übermittelt, herrscht wieder Funkstille.


    Darauf angesprochen habe ich ihn schon. Er habe laut seiner Aussage ja so viel „Stress“, kann sich aber bei anderen Leuten melden, einem Club für Dampfer beitreten uvm.


    Ich kenne die Antwort bereits, will mir aber Meinungen von anderen dazu einholen. Wie würdet ihr sowas einschätzen?


    Danke für eure Aufmerksamkeit und für eure Meinung.

  • Ihr dürftet echt viel gemeinsam durchgemacht haben und allein dafür mal meinen Respekt an Dich :)


    Wenn er sich aber, genau deswegen weil du immer geholfen und hinter ihm gestanden hast, sich selber nicht mehr melden kann und nur dann Kontakt sucht weil wieder Netflix oder sonst was nicht funktioniert, dann hat er die Freundschaft nicht verdient. Es liest sich so als wärst du für ihn nur mehr Mittel zum Zweck um Gewohnheiten nicht aufgeben zu müssen. Meiner Meinung nach solltest ihm mal eine klare Ansage machen das es so nicht weitergeht oder selber keinen Kontakt mehr herstellen. Das du dabei auch sämtliche Passwörter änderst ist ja klar.


    Wie alt seid ihr beide denn? Kann auch sein das er irgendwie in falsche Kreise gekommen, sind aber natürlich alles nur Spekulationen von mir da ich euch beide nicht kenne und nur von deinem Text her urteilen kann.


    Für mich persönlich wäre es klar wie ich zu handeln hätte ;) Wer meine Hilfe und Unterstützungen nicht zu schätzen weiß hat auch meine Freundschaft nicht verdient.

  • Vielen Dank für deinen Beitrag.

    Ihr dürftet echt viel gemeinsam durchgemacht haben und allein dafür mal meinen Respekt an Dich

    War wirklich eine ganze Menge. Danke dir!

    Meiner Meinung nach solltest ihm mal eine klare Ansage machen das es so nicht weitergeht oder selber keinen Kontakt mehr herstellen. Das du dabei auch sämtliche Passwörter änderst ist ja klar.

    Ich habe ihm schon mehrfach gesagt, dass diese "Freundschaft" sich mittlerweile eher nach einem "Mittel zum Zweck" anfühlt und ich dies alles andere als korrekt empfinde. Mittlerweile suche ich auch kaum noch Kontakt, ich schreibe ihm maximal einmal die Woche eine Nachricht. Passwörter habe ich zum Test bereits mehrfach geändert. Kann er auf meine Bibliotheken nicht zugreifen, dann kommt binnen zwei Stunden eine Nachricht von ihm, dass er keinen Zugriff mehr darauf hat.

    Für mich persönlich wäre es klar wie ich zu handeln hätte Wer meine Hilfe und Unterstützungen nicht zu schätzen weiß hat auch meine Freundschaft nicht verdient.

    Genauso sehe ich das auch. Anfangs dachte ich noch, ich würde es einfach zu verkrampft sehe, aber irgendwie scheint mein Gefühl mich nicht zu täuschen.

  • Man kann sich zwar nicht in solche Leute hinein versetzen, doch sollte man hier vielleicht auch berücksichtigen, dass da jemand eventuell auch einiges für sich "verarbeiten" muss. Jeder macht das anders, manche auch alleine. Die Zeit spielt da dabei eher eine untergordnete Rolle, da manche vielleicht doch dabei externe (professionelle) Hilfe bräuchten, diese aber nicht in Anspruch nehmen wollen...


    Wenn der Junge sich mit anderen trifft, hat das auch nicht viel zu sagen, wenn er diese vorher (!) nicht gekannt hat. Man fühlt sich vielleicht wohler, wenn sein Gegenüber eben nicht alles über seine Vergangenheit weiß...


    Jedenfalls würde es mich wundern, wenn man nach den Knast mehr oder weniger da weitermacht, wo man aufgehört hat, als ob nichts passiert wäre...


    Ich würde in also eher die lange Leine lassen und darauf hinweisen, dass man bei benötigter Hilfe gern zu Stelle ist. Momentan gibt es da von deiner Seite nicht mehr viel zu verlieren. Konsequenzen kann man irgendwann immer noch ziehen, nur sind diese dann meist endgültig...


    (Nur meine kleine Meinung)...

    "Ich liebe den Geruch von Napalm am frühen Morgen..."

  • @VoodooRacer
    Danke dir für die Antwort. Ich bezweifle da einiges sehr stark. Er hat keine Scheu seinen Gefängnisaufenthalt zu erwähnen.

    Ich würde in also eher die lange Leine lassen und darauf hinweisen, dass man bei benötigter Hilfe gern zu Stelle ist. Momentan gibt es da von deiner Seite nicht mehr viel zu verlieren. Konsequenzen kann man irgendwann immer noch ziehen, nur sind diese dann meist endgültig...

    An diesem Punkt bin ich...seit c.a vier Monaten...
    Leider ist ein Stück Unsicherheit in mir vorhanden. Diese Unsicherheit macht es mir gerade ehrlich gesagt schwer...Gespräche gab es darüber mittlerweile genug.