CallofDutySeries.de - Hardwaretest - PNY GTX 970


  • Fanboys - eine Horde wilder Gamer zieht von Forum zu Forum, durch die sozialen Netzwerke und von Hardwaretest zu Hardwaretest, einzig dem Ziel verpflichtet sich für den letzten Kauf - und sei er bereits Jahre her - auf die Schulter zu klopfen. Dabei wird alles, was nicht der eigenen Weltanschauung von Hardware entspricht, rigoros in den Boden gestampft und mit vernichtenden Hasstiraden belegt. Kein Verweis auf den Treiberbug vor 10 Jahren oder die Meldung eines Freundes der Cousine, deren Mann mal einen Bruder hatte, der vom Onkel seiner Stiefmutter ganz genau weiss, dass die Hardware aufgebrannt war, wird ausgelassen um der Welt zu verkünden, dass nur die selbst genutzte Hardware die Richtige ist und dies bitte, ohne auch nur einen Hauch von Kritik zu erdulden.


    Endlich kann ich mal einen Text recyceln ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. Auch wenn dieser einem anderen Test entstammt sind die Vorzeichen doch die Selben. Allerdings steht diesmal eine Karte im Focus die sich vor allem einer Tatsache erfreut: es kennt sie einfach niemand! Selbiges dürfte auch für die Marke PNY gelten, für einen Großteil der Anwender werden Nividia-Grafikkarten von EVGA, MSI, GIGABYTE oder ASUS gebaut, aber PNY? Sicher eine dieser Firmen die jetzt auf den Markt stürmen, von Kühlung keine Ahnung haben und gerade versuchen mit populären Artikeln Fuß zu fassen. Das ist natürlich ausgemachter Blödsinn. Gerade wer sich ab und an mal mit professionellen Grafiklösungen auseinandersetzen musste, damit meine ich nicht die pseudo-ProGamer, kennt den Namen PNY gut, denn die Quadro ist eine der begehrtesten Pixelbeschleuniger in Workstations und kommt dort gerne mal in Preisklassen die man selbst mit einem QUAD-SLI Gespann der besten Gamingkarten nicht erreichen kann.



    Dann schauen wir uns doch mal das "Billigprodukt" aus dem Hause PNY mal etwas genauer an und beginnen mit den äußeren Werten der extrem unspektakulären Verpackung. In dieser befindet sich dann das Produkt der Begierde, welches auf den Namen PNY GeForce® GTX™ 970 XLR8 OC getauft wurde, was den Schluss erlaubt die Krönung einer ganzen Serie in der Hand zu haben, dem ist aber nicht so, es ist tatsächlich die einzige GTX970 im Portfolio des Herstellers.



    Auch die Rückseite zeigt sich ähnlich spartanisch und weist keinerlei großartige Infos zum Packungsinhalt auf. Aber immerhin wird hier erwähnt dass auf dieses Produkt 3 Jahre Garantie gewährt werden. Ein Punkt den man dann gerne zur Kenntnis nimmt, ist dies doch ein Zeitraum der in ungefähr der Lebensdauer einer Gaming-Grafikkarte entspricht. Mit solch einer Verpackung hat man entweder eine verdammt breite Brust oder das Marketingteam hat komplett versagt. Ich kann mir nicht vorstellen dass jemand, der im "Hauptsachespaßmarkt" eine Karte sucht, zu dieser greifen würde wenn die weit aggressiver gestalteten Verpackungsmüllgeneratoren daneben zu finden sind. Bevor ich das Kärtchen einem bebilderten Unboxing unterziehe will ich daher mal die Eckdaten zusammenfassen:


    • Systemschnittstelle PCI-Express® 3.0
    • Display-Anschlüsse DVI, HDMI, 2x miniDP
    • Basis-Taktung 1 127 MHz (std 1 050 MHz)
    • Boost-Taktung 1 266 MHz (std 1 178 MHz)
    • Speichergröße 4GB GDDR5
    • Speicherschnittstelle 256-bit
    • Speichergeschwindigkeit 7 GBps
    • TDP 190 Watt


    Das sieht doch schon mal recht vielversprechend aus, zumindest hat das Kärtchen durchaus etwas unter der Haube. Wird also Zeit das Ganze einmal zu extrahieren und mit bunten Bildern zu präsentieren.



    Viel ist es wohl nicht, was da aus dem Karton purzelt, mehr als das Notwendige ist nicht dabei. Karte, Treiber-CD, Anleitung und ein DVI-VGA Adapter - das wars schon. Somit wäre das geringe Ausmaß der Verpackung schon mal erklärt, dafür braucht man einfach nicht mehr Platz.



    Die Karte selbst kann sich auch optisch nicht wirklich in Position schieben, PNY setzt hier auf das Referenzlayout und verzichtet auf die 2-3 Lüfterlösungen des Wettbewerbs. Hier kann man nur hoffen das dies nicht zum Nachteil gereicht, aber dazu komme ich später, wenn die Karte erstmalig bestromt wird. Jetzt schauen wir uns das Gerät erst mal von allen Seiten an, beginnend mit der Ansicht die einem durch die Plexiglasscheibe des Maxitowers entgegen blitzt.



    Wie unschwer zu erkennen ist hält man sich, wie nicht anders zu erwarten, komplett an die Vorgaben von NVIDIA und stellt 2 6-Pin Anschlüsse zur Stromversorgung bereit. Damit ist zumindest schon mal eines klar, das Kärtchen braucht etwas Strom, ist aber für die Leistungsklasse als durchaus genügsam zu sehen. Es gibt durchaus Modelle die mit einem 8-Pin Stecker ins Rennen gehen. Viel mehr gibt diese Ansicht nicht her, also drehen wir mal die Karte in Richtung aussenansicht und schaun mal was da so alles angestöpselt werden kann:



    HDMI und DVI sind auf dem Rückmarsch und müssen dem Mini-Displayport weichen. Dies macht auch durchaus Sinn, haben die beiden Erstgenannten doch so Ihre Einschränkungen. Zum Einen kann DVI-D zwar hohe Bildfrequenzen unterstützen, überträgt aber idR kein Soundsignal, HDMI wiederum bringt zwar Sound, macht aber bei 60Hz am Bildschirm Feierabend da die meisten dieser Vertreter nicht über den Notwendigen HDMI 1.4 Standard oder höher verfügen. Da kommt der Displayport ins Spiel, und wenn man davon sogar 3 hat wäre, rein theoretisch, auch ein 3-Bildschirm Surroundview möglich, obwohl doch davon auszugehen ist dass in diesem Falle der 970 bei grafisch aufwändigen Titeln die Luft ausgeht.


    Nun denn, ein schöner Rücken kann auch entzücken, also drehen wir die Karte einmal um und beschauen uns die Platine von unten:



    Hier bekommt man ein unerhörtes Bild zu Gesicht! Nicht nur dass diese Karte, wie man inzwischen weiss, beim RAM schummelt und 3.5GB schnell und 0.5GB langsam angebundenen Speicher als ein 4GB Paket verkauft, nein auch die Größe wird weit höher vorgegaukelt als tatsächlich vorhanden. Der Kühler steht zu 1/3 über! Na wenn das mal nicht ein echter Skandal ist. Da bezahlt man für Platine und bekommt nur Lüftergehäuse geboten? Plastik statt PCB? NVIDIA, warum nur? Gut, zugegeben, diese Lösung ist nicht ganz neu und hat bereits bei der GTX 670 ihren Dienst getan, aber muss man ein Erfolgsrezept so schamlos über 3 Generationen ausschlachten? - JA! So kann der Radiallüfter in aller Ruhe ansaugen und Luft ohne störende Verwirbelungen über die Kühler leiten. Einziger echter Nachteil ist an sich, dass der Plastikkorpus durchaus als Resonanzquelle für Lüftergeräusche dient.



    Unter der Haube sieht es dann doch recht gesittet aus, der Kühlblock aus Kupfer bringt die Wärme über 2 Heatpipes in die Aluminiumlamellen die direkt vom Lüfter beströmt werden, auf den Spannungswandlern sitzt ein weiterer, recht massiver, Aluminiumblock und der RAM - muss halt davon leben dass die entstehende Wärme einfach auf Fan macht und sich mitreißen lässt. Ob diese Kühlung immer noch funktioniert, immerhin hat diese Karte ja nominell deutlich mehr Rohleistung als ihre Vorgänger, kann sich nur in einem Test zeigen, also gehts aufs Brett. Das Testsystem ist nahezu unverändert und sieht wie folgt aus:


    • BOARD GIGABYTE Z97X-UD3H-BK
    • CPU Intel Core i7 4790K 4.4GHz
    • RAM G.Skill Ares 2x4GB 2400 CL10
    • SSD Crucial MX200 500GB
    • PSU Seasonic P660 660W Platinum
    • OS Windows 10 Pro N


    Nun darf der Kühler mal zeigen was er drauf hat! Ich verzichte hier bei ABSICHTLICH auf den Einsatz von Furmark, da dieser Belastungstest einfach keine wirklich relevanten Daten abliefert. Daher darf sich das System unter anderem mit dem Valley-Benchtest herumschlagen, welcher Belastungen entspricht die auch im Gaming entstehen können. Die Karte ist hierbei zu hören, erzeugt jedoch zu keiner Zeit ein solch nerviges Geräusch wie man es von anderen Radiallüfter kennt, sondern macht unter Last mit einem tiefen Brummen auf sich aufmerksam. Dieses ist aber keinesfalls als laut oder unangenehm zu bezeichnen sondern halt einfach da. Eine Highspeed-Festplatte kann dieses Geräuschniveau mühelos toppen. Im Idle ist die Karte dann nicht mehr zu hören, verzichtet aber auf die Funktion der Lüfterabschaltung, welche von anderen Herstellern gerne zur kompletten Geräuscheliminierung hinzugezogen wird.


    Ein Blick auf die Temperaturwerte von GPU-Z lässt dann auch erahnen warum die Karte unter Last ein solch niedriges Geräuschniveau hat. Beim Futuremark Test erreicht die Karte, trotz des respektablen Ergebnisses von 10200 Punkten in Firestrike, nur eine Temperatur von 65°, ein Wert der weit ab jeder Kritik ist. Da muss sich der Lüfter nicht wirklich anstrengen und man kommt fast in Versuchung noch etwas warme Luft ins Gehäuse zu blasen um Frostbeulen vorzubeugen. Hier ist Alles was auslesbar ist im grünen Bereich, den Spannungswandlern traue ich bei dieser Kühllösung auch keine Probleme zu, der RAM hätte mich hingegen durchaus interessiert.



    Wem dies noch zu viel des Guten ist, der darf gerne auf die Kühllösung zurückgreifen die der Grund für meinen Griff zum Referenzdesign war, die Wasserkühlung. Nun habe ich die schnellste Karte mit originalem NVIDIA-Layout und komme selbst nach stundenlangem Zocken nicht über 42° GPU-Temperatur und kann sicher sein dass auch der RAM immer schön kühl bleibt.


    Aber was bringt das alles wenn die Karte im Game nix taugt. Für 4K Auflösung halte ich sie persönlich für zu schwach, setze aber auch nur auf HD (1920x1080) und 120Hz ( Eizo FG2421 ). Da ja primärer Kritikpunkt an der GTX 970 das Nachladeruckeln aufgrund der geteilten Speicheranbindung ist schau ich mir das Verhalten bei einem der aktuelleren Games mal an.



    Wie hier schön zu sehen ist bewegen sich die Frames durchaus, klar, ich habe ja auch keine Standbildaufnahme gemacht, Peaks bleiben aber aus. Ein Blick auf die Speicherauslastung der Grafikkarte verrät aber auch das Battlefront in HD mit ca. 3GB zufriedengestellt gestellt ist und daher der kritische Punkt nicht erreicht wird.
    Aber da fällt mir sofort ein Game ein welches allen verfügbaren RAM nahezu magisch aufsaugt, hier sollte also etwas zu erkennen sein.



    Aber auch hier ist das Bild als eher normal einzustufen, zwar gibt es ein paar sporadische Ausreißer nach unten, diese kann man durchaus dem RAM-Verbrauch zuordnen, aber die erzielten Frames sind immer noch weit über dem Punkt einer Unspielbarkeit. Ich denke hier hat NVIDIA ganze Arbeit geleistet und Treiberseitig doch gut nachgeholfen.


    Wie schlägt sich dieses Kärtchen nun aber im Vergleich? Um dies herauszufinden habe ich einen gleichwertigen Gegner gesucht und diesen in der R9 290X gefunden. Warum ich nicht zur aktuellen Version, der 390 greife? Ganz einfach, ich möchte auch hier für eine Chancengleichheit sorgen und die 290X ist wie die GTX 970 mit 4 GB RAM ausgestattet, auch wenn diese beim AMD Gegenspieler gleichmäßig und deutlich besser angebunden sind. Ladys and Gentleman, here are the final results of the tests, made by Papa:



    Diese Battle ist ein Kampf auf Augenhöhe. Ich kann in keinem der gewählten Games einen Nachteil zu Lasten der GTX 970 ausmachen, der durch die Speicheranbindung zu begründen wäre.


    Komme ich zu meinem persönlichen Fazit:


    Ich habe mit der GTX 970 von PNY eine Karte im Rechner mit der man nichts falsch machen kann. Sie ist kühl, ziemlich leise und erlaubt mir die Anwendung von Kühllösungen die auf das NVIDIA-Layout zugeschnitten sind, somit eine recht hohe Auswahl an Wasserkühlern, was wohl gerade Freunde dieser Kühllösung interessieren dürfte da bei der 970 verdammt viele unterschiedliche PCB-Designs auf dem Markt sind. Der Stromverbrauch spielt zwar bei weitem nicht die Rolle die diesem gerne in der Produktbewerbung zugesprochen wird, allerdings benötigt die PNY unter Volldampf gut 80 Watt und damit 1/3 weniger als die Sapphire 290X.
    Vor einem guten Jahr hätte die Karte mit diesem Kühler bei einem Test auch noch einen Silent-Award abgeräumt, aber gegen die Lösungen der Marktbegleiter kann sie in diesem Punkt dann doch nicht gegenhalten, auch wenn sie alles andere als laut ist. Ich bin durchaus gespannt was von PNY in nächster Zeit noch zu erwarten ist, um die Qualität selbst mache ich mir bei einem Unternehmen das primär professionelle Anwender beliefert aber keine echten Sorgen.


  • Feiner Test von Dir alter Mann :P . :thumbsup::thumbup::thumbsup:


    Wer günstig eine gute Farbpumpe sucht sollte wirklich mal einen Blick riskieren. Obwohl günstig bei Grakas ja ein sehr dehnbarer Begriff ist :D .

  • Mich hätte glatt noch ein OC-Test mit dem Standardkühler interessiert. Besonders in Hinblick auf das dauerhafte halten der Taktraten, denn die normalen DHE-Kühler limitieren normalerweise bei hohen Taktraten und den zum Halten der Taktraten hohen Powerlimits temperaturseitig.


    Aber erstaunlich, wie kühl die Karte @stock bleibt, das hätte ich dem DHE-Kühler nicht zugetraut. Vorallem bei dem laut dir recht angenehmen Betriebsgeräusch.


    Timo: "da is ein pfosten umgekippt - da is bestimmt ein pfosten gegen gelaufen"

  • die Karte ist von Hause aus ja schon oc´t und wenn meine Recherche nicht ganz falsch ist damit die schnellste 970 im Ref.-Design. Viel mehr lässt das Powerlimit nicht zu, bei 1280 ist dann langsam Feierabend, die Temps steigen aber merklich und damit auch der Lärmpegel. Die 970 fängt unter OC aber auch an extrem auf der Dose zu saugen, daher ist es für mich keine besonders nette Overclock Karte. Das bissel was da an Bench Plus rauskommt steht in keinem Verhältnis.


    Ich hatte bei einem vorherigen Test schon mal geschrieben dass ich die Karten so teste wie 98% der Anwender sie nutzen - aus der Box in den PC. Deswegen hab ich auch keine Testergebnisse unter Wasser gemacht.

  • ^^
    "Wasser" :thumbup:

    Du stehst vor einer Weggabelung und mußt dich für links or rechts entscheiden, welchen Weg würdest du wählen. Links wo die Sonne scheint or Rechts wo ein Pfad durch einen dunklen Wald führt???
    Nach jeden Sonnenschein folgt die Dunkelheit und nach jeden harten Weg ein Lichtlein.
    Es bleibt also nur die Frage:
    Wie bequem bist du???